Sexuelle Belästigung bei Corona-Tests
Foto: dpa/Hendrik Schmidt via Neues Deutschland
Triggerwarnung: Sexuelle Belästigung
In Corona-Testzentren kommt es immer wieder zu sexueller Belästigung. Über dieses strukturelle Problem hat Franka Frei, Autorin des Buches “Periode ist politisch”, einen Artikel auf Neues Deutschland veröffentlicht, nachdem sie zuvor auf Instagram Erfahrungsberichte zum Thema gesammelt und gemeinsam mit uns auf das Thema aufmerksam gemacht hat.
»Den Würgreflex hast du aber gut trainiert!«, sagt der Arzt, der seit mehreren Sekunden mit einem Teststäbchen in Lenas Rachen wühlt. Lena, die eigentlich anders heißt, ist perplex. Offensichtlich ist sich der Mediziner, der täglich Hunderte PCR-Tests durchführt, der Grenzüberschreitung nicht bewusst. Über seiner Maske hebt er vielsagend die Augenbrauen - und lacht. Lena lacht nicht. Sie kommt sich ausgeliefert vor, weiß nicht was sie sagen soll und verlässt das Testzentrum mit einem Gefühl von Scham.
Mit dieser Erfahrung von sexueller Belästigung ist Lena nicht allein. Alltagssexismus findet sich überall: Auf der Straße, bei der Arbeit, in medizinischen Praxen - und eben auch in Testzentren. Auf meine Frage, ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat, antworten auf dem sozialen Netzwerk Instagram 14 Prozent mit »Ja«.
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»Gerade im Gesundheitsbereich sind Patient*innen gegenüber der Handlungsmacht des medizinischen Personals besonders vulnerabel und ausgeliefert«, erklärt Claire Meyerhoff vom Verein feministische Medizinerinnen* im Gespräch. »Nicht nur in dieser Krisenzeit, in der wir alle auf die Coronatestungen angewiesen sind, ist es inakzeptabel, dass Testende ihre Position in Form von sexualisierten ›Witzen‹, übergriffigen Bemerkungen oder Verhalten missbrauchen.«
Den ganzen Artikel könnt Ihr hier nachlesen.
Sollte Euch oder jemandem in eurem Umfeld etwas Ähnliches passiert sein, könnt ihr Folgendes tun:
Meldet den Vorfall bei der Teststelle, das heißt bspw. in dem betreibenden Testzentrum, der Apotheke, der Praxis oder wendet euch an das zuständige Gesundheitsamt (Berliner Testzentren: 0800 2668363) oder die Landesärztekammer (falls ihr euch über ärztliches Personal beschweren wollt).
Wie immer gilt: Sucht euch Hilfe. Sprecht mit euren Vertrauenspersonen darüber, wenn ihr übergriffiges Verhalten und/oder sexualisierte Gewalt erlebt habt. Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" ist für Betroffene, Angehörige oder Freund*innen online als auch telefonisch unter 08000 116 016 rund um die Uhr erreichbar.
Falls ihr den Vorfall anzeigen wollt, könnt ihr euch einerseits bei der genannten Hilfehotline, andererseits bei den Bürgertelefonen der Bundesländer zu polizeilichen Fragen beraten lassen. In Berlin ist die Nummer des Bürgertelefons: (030) 4664-4664. Ihr könnt auch auf die (digitale) Polizeiwache gehen, um eine Anzeige zu tätigen.
Sexuelle Belästigung ist nie okay. Ihr seid nicht allein. Solche Vorfälle sind nicht akzeptabel und niemals eure Schuld.