Wir fordern: keine Bühne für Püschel!
Der ehemalige Rechtsmediziner und Reaktionär Klaus Püschel soll am 29.04. im Rahmen einer Fachtagung für Gynäkolog*innen eine „Midnight Lecture“ über Vergewaltigungen halten.
Der ursprüngliche Titel des Vortrags lautete „(Vorgetäuschte) Vergewaltigung“ und wurde erst nach Protest geändert. Zur Geisterstunde soll also das „verruchte“ Thema Vergewaltigung aus vermeintlich rechtsmedizinischer Sicht beleuchtet werden. Das ganze Framing an sich ist eine rechte Diskursverschiebung: Vor dem Hintergrund, dass sexualisierte Gewalt nach wie vor eine alltägliche und strukturelle Bedrohung vor allem für Frauen, nichtbinäre Personen und trans Personen darstellt, ist gerade im Feld der Gynäkologie eine breitere Thematisierung und Sensibilisierung für die Bedürfnisse und medizinisch kompetente Behandlung Betroffener dringend notwendig. Stattdessen soll sich hier dem Thema auf reißerische Art und Weise genähert werden und zwar mit Fokus auf die große Gefahr, der Männer angeblich durch Falschbeschuldigungen ausgesetzt wären und wie diese am besten zu entlarven seien.
Es ist nicht das erste Mal, dass Püschel sich zum Thema Vergewaltigung äußert. In Interviews verbreitet er gerne falsche Behauptungen, wonach es sich angeblich bei "30-50% der angezeigten Vergewaltigungen um Falschbeschuldigungen" handeln solle. Zudem ist Püschel bekannt für seine rassistischen Praktiken: Brechmitteleinsätze gegen Betroffene rassistischer Polizeikontrollen, bei denen im Jahr 2001 der 19-Jährige Achidi John ums Leben kam und Altersfeststellungen an papierlosen Jugendlichen, die u.U. zu deren Abschiebungen führten. Im November vergangenen Jahres war Püschel noch als Referent bei der rechtsextremen Burschenschaft „Landmannschaft Mecklenburgia Rostock“ vorgesehen, sagte den Termin nach öffentlichem Druck dann jedoch ab (natürlich ohne sich politisch zu distanzieren).
Das „Feministische Bündnis gegen sexualisierte Gewalt und ihre Vertuscher“ hat einen offenen Brief an die Veranstalter der Fachtagung verfasst und sie aufgefordert, den Vortrag abzusagen: gegensexualisiertegewalt.noblogs.org. Dieser kann dort gerne noch unterzeichnet werden!
Wir sagen: Glaubt den Betroffenen! Keine Bühne für Püschel!