Female Future Force Day 2021 von Edition F
Foto: Hella Wittenberg
Beim diesjährigen Female Future Force Day von Edition F waren auch wir eingeladen´und mit Izzie als Speakerin auf dem Panel “Medizin, aber feministisch” vertreten.
Moderiert wurde das Ganze von Camille Haldner, und zusammen mit Lana Saksone von Doctors for Choice Germany e.V., Neram Nimindé und Hatun Karakaş sprachen wir darüber, warum wir intersektionalen Feminismus in der Medizin brauchen.
Am Beispiel vom Ausdruck “Morbus Mediterraneus” haben wir erklärt, wie Rassismus in der Medizin wirkt: das ausgedachte Krankheitsbild entspringt einem rassisstischen Vorurteil, wonach BIPoC ihre Schmerzsymptome und Leiden übertreiben und ihnen somit abgesprochen wird, wirklich krank zu sein. Dadurch passiert es auch in 2021 noch, dass BIPoC vom medizinischen Personal nicht ernst genommen werden und nicht die notwendige Gesundheitsversorgung bekommen, die sie benötigen.
Wir sprachen im Panel auch über die Schäden, die durch das Illegalisieren und Stigmatisieren von Schwangerschaftsabbrüchen sowohl bei Betroffenen, als auch bei den Durchführenden und am Ende im Gesundheitssystem, entstehen. Die Abschaffung von 150 Jahre alten Gesetzen wie dem §218 und §219 StGB sind schon lange ein Thema, auch von uns als Verein. Denn Abtreibungen sind schon immer ein notwendiger, medizinischer Eingriff und dies wird auch so bleiben. Daher werden durch Verbote und Stigmatisierungen nur die Anzahl an sicheren und adäquat medizinisch durchgeführten Abtreibungen verringert und Schwangere in Gefahr gebracht.
Auch die Gender Data Gap war Thema, die das Ausrichten wissenschaftlicher Studien und ihrer Ergebnisse auf den weißen, cis-männlichen Körper als Norm beschreibt. Damit fehlt viel Wissen zu Krankheitsbildern und Medikamenten, Informationen über Symptome, Reaktionen und Nebenwirkungen von FLINTA*. Ein Beispiel ist der Herzinfarkt, der sich bei cis-Frauen häufig eher mit Bauch- oder Rückenschmerzen äußert statt mit den klassischen Brust- und Schulterschmerz, der bei cis-Männern klassisch beschrieben wird. Hierzu erwähnten wir auch die pain bias, die beschreibt, dass Schmerzsymptome von cis-Frauen häufig als psychsomatisch oder „typisch Frau“ abgetan werden - zum einen aufgrund patriarchal geprägten Rollenbilder des vermeintlich schwächeren Geschlecht, aber auch veralteten Krankheitsbildern wie der Hysterie und der falschen Annahme, dass Emotionalität ein “weibliches” Attribut sei.
Jede Art dieser Diskriminierung führt darüber hinaus zur Trust Gap, die entsteht, wenn Patient:innen nicht gehört oder ernst genommen werden, Vertrauen (trust) in das Gesundheitssystem verlieren und letztendlich keine medizinische Hilfe oder Versorgung für ihre Leiden bekommen. Dies kann dazu führen, dass Patient:innen sich bei zukünftigen, medizinischen Angelegenheiten gar nicht oder zu spät vorstellen und somit Krankheitsbilder gar nicht oder zu spät diagnostiziert werden. Besonders bei der zeitsensiblen Behandlung von Herzinfarkten kann dies massive Auswirkungen für FLINTA* haben, die sich teils erst 12h nach Symptombeginn in der Klinik vorstellen. Aus intersektional-feministischer Perspektive sind diese Aspekte insofern wichtig, da die trust gap und pain bias insbesondere PoC, sozioökonomisch benachteiligte und Menschen mit Behinderung betreffen.
Es gibt viel zu tun, um das Thema #healthequity sichtbar zu machen und Lösungen zu erarbeiten. Wir sind froh und dankbar, dass wir bei diesem Event die Möglichkeit hatten uns auszutauschen und einen ersten Einblick in die Thematik zu geben und freuen uns auf weitere solcher Projekte!
Quellen:
1) https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(19)30510-0/fulltext
2) https://www.escardio.org/The-ESC/Press-Office/Press-releases/Heart-attack-diagnosis-missed-in-women-more-often-than-in-men
3) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1495199/
4) https://www.health.harvard.edu/blog/women-and-pain-disparities-in-experience-and-treatment-2017100912562
5) https://abimfoundation.org/pressrelease/59-of-u-s-adults-say-health-care-system-discriminates-at-least-somewhat-negatively-affecting-trust